Kontrolliert biologisch dynamischer Kaffeeanbau


Nahezu 100% der Kaffeeanbau-Flächen unserer EU-zertifizierten Bio-Kaffee Kooperative sind Mischkulturen mit schützendem Schatten. Obstbäume (Avocado, Orangen, Mandarinen, Sapote, Mango) und Waldbäume verschiedener Arten, bilden insgesamt eine Flora, die als Lebensraum für viele verschiedene Vogelarten und andere Tiere dient.

Diese organisch gewachsenen Kaffeeplantagen sind Sauerstofflieferant und Kohlenstoffabsorbierer in Einem. Berechnungen ergaben, dass zwei Hektar dieser Öko-Kaffeeplantagen, die gleiche Menge an Sauerstoff produzieren, wie ein Hektar feuchter Tropenwald. Das von den Schattenbäumen produzierte organische Material, reichert den Boden mit Nähstoffen an und erhöht somit dessen Fruchtbarkeit. Die Wurzeln der Bäume schützen das Land vor Erosion.

Biologisch-dynamischer Kaffeeanbau seit Generationen

Die ersten Kaffeesamen wurden von Arbeitern gebracht, die sich aufgrund mangelnder Arbeit in der Stadt entschlossen, auf die Kaffeeplantagen an der Küste auszuwandern. Als diese Leiharbeiter in ihre Dörfer am Atitlan See zurückkehrten, hatten sie einige Kaffee-Früchte für ihre Familien, mit in ihrem Marschgepäck. Die Familien pflanzten die Kaffee-Samen zunächst zur Zierde auf den Terrassen ihrer Häuser. Lange Zeit dienten die Kaffeepflanzen, den Familien der Maya, somit lediglich als Zierpflanzen, doch letztendendes sammelten sie die Kaffee-Pflanzensamen für ihre Baumschulen, zur Herstellung von Röstkaffee. Sie lernten die Techniken des Erntens, Säens und Umpflanzens auf den Kaffeplantagen der Großgrundbesitzer, auf denen sie arbeiteten.

Die Maya bauten seither Kaffee aus 100% organischem Material an. Sie verwendeten keine Plastiktüten für die Pflanzsäcke, die Dächer der Baumschulen bestanden ausschließlich aus Ästen, die Begrenzungen bestanden aus Maisfeldrohr, das mit Capulinrinde gebunden war. Das Saatbett wurde in den Höfen ihrer Häuser aufgestellt, um die Instandhaltung zu erleichtern.

Sobald sich die „Kaffeeschmetterlinge“ (Kaffee-Jungpflanze mit zwei Blättern) ausgebildet hatten, wurden sie als Setzlinge umgetopft, für die endgültige Pflanzung in den Plantagen. Die Schmetterlingspflanzen wurden im Saatbett direkt auf den Boden gesät, mit ausreichend Abstand, damit die Pflanze, wenn sie sich gut entwickelt hat, mit einer kurzen Machete ausgehoben und dann auf den endgültigen Mutterboden gepflanzt werden kann.

Erwähnenswert ist hierbei, dass sie dabei keine Löcher in den Boden geschlagen haben, sondern lediglich den Abstand zwischen den Kaffee-Büschen und zwischen den Reihen markierten. Die Setzlinge keimten ohne Probleme in der vulkanischen Erde und entwickelten sich nach drei Jahren bereits zur Produktionreife. Heutzutage ist dies nicht mehr der Fall. Die typische Vorgehensweise heutzutage ist, Löcher von 40-50 Kubikzentimetern auszuheben, diese mit fruchtbarem Boden zu füllen und das Grundstück permanent zu jäten, auszulüften, organisch zu düngen und zu reinigen.



Anlegen und Wartung des Saatbettes
1. Vorbereitung des Substrats für das Saatbett: Eine Mischung aus weißem Sand, Erde und organischem Dünger (terra preta).
2. Konditionierung der Beete für das Saatbett: Pflanzpfähle pflanzen und Bretter an den Seiten platzieren.
3. Selektierung der Sorten, die in den Baumschulen gesät werden: Bourbon, Pache Caturra, Common Pache, Kat Wa'i.
4. Schneiden, Selektieren, Aufschluss und Trocknen der Samen bei 60% Luftfeuchtigkeit.
5. Bodenreinigung
6. Aussaat der Samen in der Furche und Bewässerung.
7. Erste Abdeckung des Saatbettes: Nach Pflanzen des Samens, wird das Saatgut mit feinem Sand bedeckt, um eine homogene Keimung zu gewährleisten.
8. Zweite Abdeckung des Saatbettes (Schutzabdeckung): In unserer Kooperative wird das Saatgut regelmäßig mit Tannennadeln bedeckt, um es vor Wärme, Sonne und Erosion zu schützen. Diese Abdeckung wird nach ca. 6 Wochen wieder entfernt, in dem Moment, in dem sich die Keimwurzel bildet und die Bildung des Sämlings -Im Volksmund bekannt als „Manquito“- eintritt.
9. Wartung des Saatbettes (Bewässerung und Reinigung), für zwei Wochen bis zu einem Monat, nach der Keimung.
10.Umpflanzen der Schmetterlingskaffeepflanzen (die ersten beiden Keimblätter) in die Pflanztaschen („Kindertaschen“).




Errichtung von Baumschulen mit Kaffeesamen und Mischkulturen
1. Vorbereitung des für die Baumschule bestimmten Areals.
2. Bau einer Dachkonstruktion für die Baumschule, welche jeweils immer neu, aus runden Stöcken und Eichenzweigen, hergestellt wird.
3. Anlegen des Beetes für die Pflanztaschen, mit fruchtbarem Boden (terra preta), Reisig und weißem Sand.
4. Befüllung und Platzierung der Pflanztaschen.
5. Setzen von 30.000 jungen Schmetterlingskaffeepflanzen und 5.000 Waldbäumen in die Pflanztaschen.
6. Wartung der Baumschule für 10 Monate (Bewässerung, Reinigung, Düngung, Begasung).
7. In den Monaten Mai bis Juli, die Kaffee-Setzlinge von der Baumschule auf die Parzellen umpflanzen.




Bestellung und permanente Pflege der Bio-Kaffeplantagen
1. Schneiden und Auslichten der bestehenden Kaffeepflanzen (Farbmanagement, Schnitt von Konturlinien, Abstecken 40x40 cm)
2. Nachfüllen und Korrektur von Absenkungen im Boden mit fruchtbarer Erde (terra preta)
3. Aussaat der Kaffeepflanzen von Mai bis Juli
4. Gleichzeitige Aussaat von Bohnen, Kohl und Brokkoli
5. Kontinuierliche Instandhaltung der Parzelle: Säuberung, organische Düngung und Auslichtung



Produktionszeitraum – Wachstum und Reife der Kaffeepflanzen
1. Blüte der Kaffeepflanzen: März, April und Mai, während dieser Monate erhält der Kaffeestrauch ein schneebedecktes Kleid mit einem unvergleichlichen Duft, der Tausende von Bienen anzieht, die weißen Honig produzieren.
2. Entwicklung des Korns: Von Mai bis Oktober benötigen die Kaffeepflanzen organische Düngung und ausreichend Regen, damit das Korn seine optimale Größe erreicht.
3. Düngung: Ausbringung von organischem Dünger in den Monaten Mai bis Juli.
4. 3-malige Reinigungs- und Beschnittzeiten: 1. Zeit im Mai, 2. Zeit im Juli und die 3. Zeit im Oktober.
5. Fortlaufende Auslichtung der Pflanzen in den Monaten von Januar bis Mai
6. Aufrechterhaltung der Fruchtbestände von März bis Juli (Kontrolle der Triebe und Entnahme von Keimlingen)
7. Kontinuierliche Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten (Rost, CBB, Fomy, Hahnblatt) - ausschließlich mit bio-dynamischen Mitteln
8. Erntezeit: November bis März



Kaffeeernte - Aktivitäten während der Erntezeit
1. Qualitätskontrolle der Kaffee-Trauben: Der Traubenkaffee, der von den Kleinbauern in der Nassmühle angeliefert wird, wird zunächst auf die existierenden Qualitätsmerkmale überprüft. Wenn der Kaffee die erforderliche Qualität erfüllt, wird er gewogen und falls nicht, kann es auch zu Ablehnungen kommen. In diesem Fall, hat das Kooperativen-Mitglied die Möglichkeit zur Nachbesserung: Erneute Sortierung und Auswahl der Kaffetrauben, damit diese schließlich gewogen und angenommen werden können.
2. Aufspaltung des Traubenkaffees: Zu Beginn der Ernte, im November, werden zunächst nur 10 Zentner Kaffetrauben aufgespalten, eine relativ geringe Menge, die in den darauffolgenden Tagen aber ständig zunimmt. Zur Erntehochzeit, in den Monaten Dezember und Januar, werden täglich bis zu 450 Zentner gespalten. Am Ende der Ernteperiode, von Februar bis Mitte März, nimmt die gelieferte Menge an Kaffee-Trauben allmählich wieder ab.
3. Fermentationskontrolle: Die für die Fermantation der Kaffeetrauben benötigte Zeit, hängt von der Umgebungstemperatur ab. Sie liegt, je nach Temperatur, zwischen 12 und 20 Stunden. Dazu werden drei Techniken angewendet: 1. Ein dicker Stab wird in den Trauben-Stapel eingeführt - wenn er entfernt wird und dabei keine Kaffeebohnen an dem Stab hängen bleiben, sind die Trauben optimal fermentiert. 2. Der Trauben-Kaffee auf dem Stapel wird mit einem Paddel gerührt - wenn die Bohnen „klingen“, ist die Fermentation abgeschlossen. 3. Es wird eine Faust aus dem Stapel der Trauben entnommen und gewaschen - wenn die Faust dann sauber ist, ist der Kaffee fermentiert. Nach der Fermentierung werden die sogenannten Pergament-Bohnen (Pergamentkaffee - welcher in diesem Stadium noch Schale und Silberhaut hat) gewaschen.
4. Pergamentkaffee trocknen: Die Dicke der Kaffee-Trauben, die zu Beginn der Ernte in der Feuchtmühle gespalten werden, beträgt 3 cm. Der Pergamentkaffee wird direkt an der Sonne getrocknet. Im weiteren Verlauf der Ernte, nimmt das Volumen der Trauben kontinuierlich zu. Folglich wird der Pergamentkaffee dann, in dieser Ernteperiode, mit einer Dicke von 5 cm sonnengetrocknet. Im Endstadium der Ernte, werden die Bohnen wieder kleiner (3 cm). Wenn der Pergamentkaffee 3 cm ist dick ist, dauert die Trocknung 5 Tage. Wenn er 5 cm dick ist, dauert der Trocknungsvorgang ca. 7 bis 8 Tage, abhängig von der Intensität der Sonnenwärme und der Umgebungstemperatur in der Nacht. Der sonnentrocknende Kaffee muss ständig gewendet werden – Mindestens alle 5 Minuten - besser aber, noch häufiger! Wenn er nicht stetig bewegt, besteht die Gefahr einer Übertrocknung. Der Trocknungsfortschritt wird mit einem Feuchtigkeitsmesser kontrolliert.
5. Qualitätsauswahl von Pergamentkaffee: Ausgewählter Qualitätskaffee wird in Salzsäcken verpackt. Der optimale Luftfeuchtigkeitsprozentsatz des Pergamentkaffees sollte 8% bis 9% betragen. Wenn das Getreide gelagert wird, sollte es jedoch immer noch 10% bis 11% Feuchtigkeit haben, weil es im Keller noch nachtrocknet. Auch bei diesem Produktionsschritt ist somit der Einsatz eines Feuchtigkeitsmessers, zur genauen Messung des Feuchtigkeitsanteils, obligatorisch.
6. Die Umwandlung von Traubenkaffee zu Pergamentkaffee wird permanent von Mitarbeitern der Kooperative kontrolliert. In der Genossenschaft liegt der durchschnittliche Ertrag von etwa 5 Zentnern Traubenkaffee, für einen Zentner Pergamentkaffee.



Nach der Ernte ist vor der Ernte: Aktivitäten zwischen den Erntezeiten
1. Jährliche Renovierung der Nassmühlenanlagen
2. Verarbeitung des Zellstoffs zu organischem Kompost (terra preta)
3. Überprüfung, Reparatur und allgemeine Wartung der Maschinen
4. Jährliche Versammlung aller Mitglieder der Kooperative: Festlegung von Qualitätstandards und Information über den Beginn der nächsten Erntezeit
5. Feststellung der Qualität des Traubenkaffees der einzelnen Mitglieder, sowie individuelle Etikettierung der Ernte
6. Ernennung der Mitglieder für die Leitung der Traubenkaffeewaage
7. Positionierung, Kalibrierung und Wartung der Waage
8. Ernennung von 2 Mitgliedern, die für das Monitoring der Reife und der Qualität des Traubenkaffees zuständig sind
9. Wahl der Mitglieder des Verwaltungsrates und der Mitarbeiter, die, während der Erntezeit, die Kontroll- und Überwachungsschichten übernehmen
10. Einstellung von Zeitarbeitskräften zur nächsten Erntezeit



Mischkultur - Die Bedeutung von Schatten beim Kaffeeanbau
Schatten ist einer der Faktoren, die zur Verbesserung der Qualität von Bio-Kaffee beitragen. Deshalb produziert die Genossenschaft „La Voz“ 60% schattengewachsenen Kaffee und 40% Kaffee, der in der Sonne wächst. Schatten ist wichtig, um die Fruchtbarkeit des Bodens zu erhalten und zu stärken, Unkraut zu bekämpfen, Erosion zu vermeiden, den zweijährigen Produktionzyklus zu gewährleisten, die Kornentwicklung und -reifung zu optimieren.

Bodenschutztechniken
Durch die Erhaltung der natürlichen Ressourcen in der Region werden zahlreiche Vorteile für die Umwelt erzielt, wie z.B. die ordnungsgemäße Entsorgung flüssiger und fester Abfälle, um eine Verschmutzung des Atitlán-Sees zu vermeiden, die permanente Wiederaufforstung, um die Schutzgebiete des Vulkans San Pedro, der Hügel Rostro Maya und Pa K'isis nicht anzugreifen, sowie die Erhaltung von Wasserquellen um die Artenvielfalt von Flora und Fauna zu gewährleisten.

Am 7. Juli eines jeden Jahres wird der Weltbodenschutztag gefeiert. Eine Praxis, die für die Lebensqualität von Mensch, Flora und Fauna äußerst wichtig ist und auch dem Klimawandel entgegenwirkt. Aus diesem Grund führen die kleinen Kaffeeproduzenten, aus denen die Genossenschaft „Cooperativa La Voz“ besteht, Bodenschutztechniken in ihren produktiven Parzellen durch, wie z. B.: Pflanzen lebendiger Barrieren, Bau toter Barrieren, Gruben, ebene Linien und Gräben ziehen, das Anlegen von Terrassen, Wiederaufforstung und Ausbringung von organischer Erde (terra preta). Die Pflege und Achtung der Natur sind wichtig, um eine nachhaltige Entwicklung der Gemeinden zu fördern.